Frühlingsgedanken – Späte Freuden

Wenn ich mir die Welt beseh´,
möcht´ich wie ein Böcklein hopsen.
Gestern schmolz der letzte Schnee
heute sprießen schon die Knospen.

Ja, der Winter war so rauh,
eisig bliesen seine Stürme.
Heute strahlt der Himmel blau
über Dächer, über Türme.

Alles Leid ist fortgefegt,
wie mit einem sanften Besen.
und das Herz so ruhig schlägt,
so, als wäre nichts gewesen.

Lieber Frühling, komm geschwind,
bleib recht lang in diesem Jahre.
Ach, ich freu´ mich wie ein Kind,
wie ein Kind im grauen Haare.

Was das arme Herz erhofft,
ist nun wirklich eingetreten.
Schön sind späte Freuden oft;
wenn sie sich nur nicht verspäten.

Fred Endrikat (1890 – 1942)

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